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Ladakh und Zanskar: Zwischen Schlamm und Serpentinen – Trekking im Herzen des Himalaya – Teil 2

Zwischen Schlamm und Serpentinen – Trekking im Herzen des Himalaya – Teil 2 

 

Stein aus einer Manimauer mit eingraviertem Gebetsspruch. Ladakh © Volker Abels
Stein aus einer Manimauer mit eingraviertem Gebetsspruch. Ladakh © Volker Abels

Am nächsten Morgen weckt uns strahlender Sonnenschein und wir können unsere durchnässten Ausrüstungsgegenstände säubern and trocknen. Wir nutzen zudem die Gelegenheit, um uns im Fluss, der durchs Dorf rauscht, gründlich zu waschen.

 

Gegen Mittag holt uns Karma, der uns von Lamayuru aus vorausgeeilt ist, ab. Er will uns die Gompa, so die Bezeichnung für Kloster, von Lingshed zeigen.

Auf dem Weg dorthin gehen wir an Manimauern vorbei. Diese Mauern findet man überall in Ladakh, besonders aber in der Nähe von Dörfern und Klöstern. Sie bestehen aus verschiedenen Steinen und Steinbrocken, in die Mantras (heilige Formeln) eingestanzt oder geritzt sind. Neben den Mauern findet man in Ladakh und Zanskar auch Chörten, typische Symbole lamaistisch-buddhistischer Regionen. Diese, sich nach oben hin verjüngenden Türme, enthalten Reliquien und die Asche toter Mönche. Gläubige Buddhisten umrunden Chörten und Manimauern nur im Uhrzeigersinn.

Karma führt uns, zusammen mit einem Lama (Mönch) aus Lingshed durch die Gebäude des Klosters. Die 10 RS Eintritt, die wir bezahlen, sind ein sinnvoller Beitrag zur Erhaltung und Renovierung.

Die Gompa ist voller Menschen. Immer mehr Dorfbewohner drängen sich durch die Gänge und Räume. Wie wir erfahren, findet heute ein Fest statt. Nach der Predigt durch die Lamas, werden die Besucher mit Brot und Tee versorgt. Auch wir werden nicht vergessen.

Frau in traditioneller Kleidung und einem Perak auf dem Kopf.  -  Ladakh © Volker Abels
Frau in traditioneller Kleidung und einem Perak auf dem Kopf. – Ladakh © Volker Abels

Wegen der Feierlichkeiten haben die Einheimischen ihre Sonntagskleider angelegt. Die Männer tragen meist lange, bis zu den Waden reichende, weinrote oder naturfarbene Wollmäntel. Die Frauen sind in rote Wollkleider, in schwarze Jacken mit Ziegenfellen oder bunten Seidentüchern auf dem Rücken, gekleidet. Besonders auffallend sind aber ihre Kopfbedeckungen. Diese Peraks, übersät mit Korallen, Perlen, Silber und vielen Türkisen, werden von den Müttern an ihre Töchter weitervererbt. Sie haben häufigen einen Wert von einigen tausend Euro.

Später, am Nachmittag beginnt der heitere Teil des Festes. Unterhalb der Klostermauern versammelt sich die Dorfgemeinschaft auf einem Platz. Männer und Frauen trennen sich, machen es sich bequem und bilden einen großen Kreis.

Wir gesellen uns zu den Feiernden. Der Chang, ein alkoholisches Gerstengebräu, das ein wenig an frischen Wein erinnert, fließt in Strömen. Immer wieder werden wir aufgefordert, unsere Tassen zu leeren, damit sofort aus großen Kupferkannen, nachgeschenkt werden kann.

Zu den Getränken, die eine Gemeinschaftsproduktion des Dorfes sind, spendieren die Mönche des Klosters für feste Nahrung. Aus großen Säcken verteilen sie Tsampabälle. Diese Klöße werden aus gerösteter Gerste hergestellt und sind etwas gewöhnungsbedürftig. Nach einigen Gläsern Chang munden sie allerdings hervorragend.

Irgendwann durchdringt trommeln und singen das Geplapper der Menschen. Einige Frauen erheben sich und beginnen zu tanzen. Sie bilden einen Kreis und bewegen sich langsam mit erhobenen Händen im Rhythmus der Trommeln. Zur Erheiterung der Dorfbewohner mischen sich auch die zwei Frauen aus unserer Gruppe unter die Tanzenden. Begeistert verteilen einige Männer anschließend kleine Geldgeschenke, die zuvor eingesammelt worden sind, an die Tänzerinnen.

Mit Einbruch der Dunkelheit endet das Fest. Wir steigen unsicheren Fußes, aber hervorragender Laune durch die Finsternis den Berg hinab ins Dorf. Im Haus unseres Führers lassen wir diesen ereignisreichen Tag, mit weiterem Chang in gut gestimmter Runde, ausklingen.

Der nächste Tag bringt uns wieder etwas körperliche Betätigung. Er beginnt, zum Warmwerden, mit einem leichten Anstieg. Anschließend bewegen wir uns in Serpentinen einen steilen Berg hinab, was auf kaum 50 cm breiten Wegen eine gewaltige Anstrengung bedeutet. Diese Pfade schlängeln sich durch kiesiges und sandiges Gelände und zwingen uns zu vorsichtigster Gangart. Die Hänge neben den Wegen sind steil und ein Fehltritt oder Ausrutschen kann böse Folgen haben.

Der darauffolgende Aufstieg auf den Hanuma La, ist zwar mit 4600 m nicht der Höchste unserer Tour, aber der für mich Anstrengendste. In 2 Stunden quäle ich mich unter der glühenden Sonne den Berg hinauf. Der Schweiß läuft in Strömen. Der Rücken ist triefend nass und die salzige Flüssigkeit sorgt für brennende und tränende Augen. „Warum machst du das? Was soll die Quälerei?“, schießt es mir zwischendurch immer wieder durch den Kopf. Die großartige Aussicht auf der Passhöhe beantwortete mir die Frage. Ich genieße in vollen Zügen die überwältigende Landschaft. Soweit das Auge reicht löst ein schneebedeckter Himalayariese den nächsten ab.

Der Abstieg vom Pass ist erheblich leichter, selbst die Überquerung diverser Schneebrücken, die als Überbleibsel des Winters auf ihr Abschmelzen warten, machen kaum Schwierigkeiten. Trotzdem bin ich froh, als ich mich abends in meinem Schlafsack verkriechen kann, um mich vom bisher längsten Wandertag auszuruhen.

Mönch auf dem Weg zum Lingshed Kloster - Ladakh © Volker Abels
Mönch auf dem Weg zum Lingshed Kloster – Ladakh © Volker Abels
Lingshed Ladakh © Volker Abels
Lingshed Ladakh © Volker Abels
Häuser aus Lehm stehen zwischen Gerste- und Erbsenfelder Linghsed, Ladakh © Volker Abels
Häuser aus Lehm stehen zwischen Gerste- und Erbsenfelder Linghsed, Ladakh © Volker Abels
Fest im Kloster Lingshed © Volker Abels
Fest im Kloster Lingshed © Volker Abels
Die Frauen des Dorfes tanzen Lingshed, Ladakh © Volker Abels
Die Frauen des Dorfes tanzen Lingshed, Ladakh © Volker Abels
Auf großen Fässern erhalten wir unseren Chang, ein lokales Bier, das etwas wie frischer Wein schmeckt. © Volker Abels
Auf großen Fässern erhalten wir unseren Chang, ein lokales Bier, das etwas wie frischer Wein schmeckt. © Volker Abels
Wir durchwandern großartige Landschaften - Ladakh © Volker Abels
Wir durchwandern großartige Landschaften – Ladakh © Volker Abels
Wir überqueren ein Schneefeld - Ladakh © Volker Abels
Wir überqueren ein Schneefeld – Ladakh © Volker Abels

Lesen Sie auch den 3. Teil von: “Zwischen Schlamm und Serpentinen – Trekking im Herzen des Himalaya“.

Übrigens – Kletterausrüstung gibt es bei Bergfreunde.de*


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Über Volker Abels

2010 habe ich foto-reiseberichte.com ins Leben gerufen.

Reisen und Fotografieren sind meine großen Interessen. Außerdem mag ich (abgesehen von meiner Frau) Fußball (BVB :-)) an Webseiten basteln, im Internet surfen sowie ab und zu selber Sport treiben. Wenn ich Zeit übrig habe (was leider zu selten der Fall ist) lese ich auch gerne mal ein Buch.

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