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Pushkar Mela in Indien – der größte Kamelmarkt der Welt in Rajasthan

Männer aus Rajasthan in Pushkar - Indien © Volker Abels
Männer aus Rajasthan in Pushkar – Indien © Volker Abels

Jedes Jahr, wenn Anfang November/ Ende Oktober der Vollmond erscheint, treffen sich  die Bewohner der Wüste Thar an der pakistanisch – indischen Grenze, sowie Heilige und Bettler aus der näheren und ferneren Gegend um Pushkar, am heiligen See.

Der Legende nach flog hinduistische Gott Brahma, der Schöpfer der Welten, auf seiner Wildgans Hamsa, auf der Suche nach einer geeigneten Stelle für ein Opfer über die Erde. An dem Ort der heute drei Seen aufweist, ließ er drei Lotosblüten auf den Boden fallen. Dort  sprudelte sofort aus drei Quellen Wasser empor. Es entstanden drei Seen und er wählte diesen Platz für sein Opfer. Er nannte den Ort nach dem Lotos “Pushkar”.

Um sich von ihren Sünden und sonstigen bösen Taten zu reinigen, begeben sich die Pilger zu nächtlicher Stunde, wenn der Vollmond am Himmel erscheint, in das heilige Wasser, um sich reinzuwaschen. Das ist die Zeit zu der die Götter Pushkar besuchen und deshalb ist es besonders verdienstvoll und segensreich, im heiligen See ein Bad zu nehmen, um sich von allen Sünden zu reinigen. In einem nicht endenden Strom ziehen deshalb Hunderttausende von Pilgern zu den Tempeln und Badeghats, die rund um den See entstanden sind, um die vorgeschriebenen Zeremonien vorzunehmen.

Aber diese heilige Zeremonie ist nicht der einzige Grund, warum sich das ansonsten ruhige Nest Pushkar für ca. 8 Tage in eine von Menschen überfüllte Stadt verwandelt. Auch der Jahrmarkt, die Zelte und Stände, wo man Currys, Gemüsegerichte, Chapatis und viele andere Köstlichkeiten der indischen Küche erhält, sind nicht das besondere bei der Pushkar Mela.

Es ist ebenso wenig die Tatsache, dass während der Festtage die Übernachtungspreise in den einfachen Unterkünften und der Hotels bis zum Zehnfachen ansteigen. Nein, es ist der auf der ganzen Welt wohl einmalige Kamel- und Viehmarkt.

Etwas außerhalb des Ortes treiben Radjasthanis ihr Vieh und die Kamele zusammen, die zum Verkauf angeboten werden. (Genau genommen handelt es sich bei den Kamelen um Dromedare).

Dieser Viehmarkt ist der größte der Welt. Kein Wunder, wenn man sieht, wie dort am Rande der Wüste Thar, die Einheimischen 15000 – 20000 Kamele zusammentreiben. Teilweise sollen bis zu 50000 dieser Wiederkäuer dort gezählt worden sein. Die Händler und Kamelzüchter, meist in weißer Kleidung und mit großen, in roten, gelben, oder orangen Farben gehaltenen Turbanen, sitzen und stehen zwischen den Tieren und palavern. Wenn ein Besucher abends, bei Sonnenuntergang die Einheimischen am Lagerfeuer besucht, wird er sich in ein Märchen aus 1001 Nacht versetzt fühlen.

Tagsüber wird in den Dünen heftig gefeilscht, bevor Kamele in großer Zahl den Besitzer wechseln. Wer dann selbst stolzer Besitzer eines dieser Tiere werden will, kann sich mit einem Händler unterhalten und vielleicht eines der Kamele erstehen, wobei der Transport nach Europa ein Problem darstellen dürfte. Als ich Pushkar besuchte, bot man mir seinerzeit in junges Kamel für 800 DM an.

An die Kamelbasar schließen sich Jahrmarktsbuden und Volksfestvergnügungen wie Glücksspiele, Devotionalienhändler etc. an. Natürlich gibt es auch unzählige Essensstände. Schausteller, Gaukler, Musik-, Tanz- und Schauspielgruppen unterhalten die Besucher. Für die Pilger, die häufig aus entlegenen Wüstendörfern stammen, eine willkommene Abwechslung von ihrem Alltag.

Auch Sadhus, echte wie aber auch falsche, gehören zum Festivaltross. Sie stellen sich an den Tempeln und Ghats rund um den See, den Gläubigen zur Schau.

Die Rajasthanis, diese zum größten Teil aus der Wüste stammenden Menschen, wirken sehr stolz und sind im Gegensatz zu vielen anderen Indern hoch gewachsen. Die stolze Haltung der Männer, die meist auch verwegene Schnurrbärte im Gesicht tragen, strahlt viel Würde und Selbstbewusstsein aus. Ihre Frauen tragen während dieser Zeit schöne Saris in leuchtenden Farben. Meist in rot und gelb. Dazu sind sie behängt, mit wunderschönem Silberschmuck. Hin und wieder sieht man auch Frauen, die in schwarze Saris gekleidet sind, in denen viele eingearbeitete Spiegelstücke, auffällig in der Sonne glitzern.

Bei unserem Besuch fielen wir natürlich auch Tanzgruppen auf, die zu uns kamen und uns für ein paar Rupien ihr Können zeigten. Das war schon sehr faszinierend.

Die Kamele, die Männer mit den Turbanen, die Pferde, Kühe und natürlich die Landschaft: Sand, Dünen, Staub, Sonnenuntergang – alles wirkte wie aus einer anderen, vergangenen Welt. Wir wollten dieses Panorama auch von oben genießen. So machten wir uns an einem Morgen zwischen 5 und 6 Uhr auf, einen Berg zu besteigen, zu dessen Füssen sich die Lager der Kamelhirten ausbreiteten. Auf dem steilen Ratnagiri-Hügel, so der Name des Berges oberhalb des westlichen Seeufers, wurde auch ein Tempel errichtet. Der machte ihn zu einem Pilgerort.

Es war noch relativ kühl, als wir im Dunkeln den Berg erreichten. Auf dem Gipfel genossen wir die tolle Aussicht. Zeltlager an denen vereinzelt Lagerfeuer leuchteten. Nebel- und Rauchschwaden, die über den Lagern wabberten. Erste Sonnenstrahlen, die die Dunkelheit verdrängten und eine friedliche Stimmung, die den Tag begrüßte.

Die ersten Pilger kamen zum Tempel. Und ein netter Mann schenkte uns Süßigkeiten. Wir unterhielten uns eine Zeitlang mit ihm, bis seine Begleiter kamen und alle zum Tempel gingen.

Ein Geier wartet auf Futter. Pushkar in Rajasthan - Indien © Volker Abels
Ein Geier wartet auf Futter. Pushkar in Rajasthan – Indien © Volker Abels

Auf Bäumen, die am Berg wuchsen, saßen Geier, in der Hoffnung unter den vielen tausend Kamelen, Rindern und anderen Tieren ihr Futter zu finden. Ganz nah ließen uns die mächtigen Vögel herankommen. Sie machten keinen Versuch zu fliehen.

Beim Abstieg vom Berg gingen wir an einigen Bettlern vorbei, die uns auch um Geld baten. Bettler aus allen Gegenden Nordindiens waren angereist. Wie hatten die das gemacht? Viele von ihnen gehörten zu organisierten Gruppen, die von einem Fest zum nächsten ziehen. Aber unter den bettelnden Menschen waren auch Bettler aus der Gegend um Pushkar. Wie aber soll man unterscheiden, zwischen den wirklich Bedürftigen und den organisierten Banden? Ein Problem und ein Konflikt zu gleich.
Am Fuß des Berges, besser des großen Hügels abgekommen, mischten wir uns noch einmal unter die Händler, beobachteten das geschäftliche Treiben und Träumten weiter von Tausendundeine Nacht.

Kamele in Pushkar in  Rajasthan - Indien © Volker Abels
Kamele in Pushkar in Rajasthan – Indien © Volker Abels
Kamelzüchter mit ihren Tieren in Pushkar in  Rajasthan - Indien © Volker Abels
Kamelzüchter mit ihren Tieren in Pushkar in Rajasthan – Indien © Volker Abels
Der See von Pushkar in  Rajasthan - Indien © Volker Abels
Der See von Pushkar in Rajasthan – Indien © Volker Abels
Frauen in bunten Saris in Pushkar, Rajasthan - Indien © Volker Abels
Frauen in bunten Saris in Pushkar, Rajasthan – Indien © Volker Abels
Vieh-und Kamelmarkt in Pushkar, Rajasthan - Indien © Volker Abels
Vieh-und Kamelmarkt in Pushkar, Rajasthan – Indien © Volker Abels


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Über Volker Abels

2010 habe ich foto-reiseberichte.com ins Leben gerufen.Reisen und Fotografieren sind meine großen Interessen. Außerdem mag ich (abgesehen von meiner Frau) Fußball (BVB :-)) an Webseiten basteln, im Internet surfen sowie ab und zu selber Sport treiben. Wenn ich Zeit übrig habe (was leider zu selten der Fall ist) lese ich auch gerne mal ein Buch.

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4 Kommentare

  1. War schön deinen Komentar zu lesen. Wir werden nachdem wir vor 23 Jahren eine Mela miterlebt haben wieder nach Pushkar fahren und wollten wissen ob der See nach der Renovierung wieder Wasser hat. Sah auf dem Bild so aus, aber könnte ja auch ein altes Bild sein. Hast du Erfahrungen mit Kameltouren von dort aus?Wäre echt toll eine Antwort zu bekommen. Viel en Dank

  2. Hallo Bernd,

    ja das Bild war schon etwas älter. Die Pushkar-Mela ist schon ein absolutes Highlight. Ich würde auch gerne noch einmal dabei sein.
    Was die Kameltour angeht, kann ich dir leider nicht weiter helfen. Ich hatte nur gehört, dass man dort Touren buchen kann – mehr kann ich leider nicht dazu sagen – sorry.

    Schöne Grüße
    Volker

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