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Wild Zelten – Deutschland, so ist wildes Campen möglich

wild zelten in deutschland - www.foto-reiseberichte.comVor einigen Tagen ging es im Artikel: „Wild Zelten in Europa – das Gefühl von Freiheit und Abenteuer„, um wildes Zelten in Europa. Heute möchte das Thema noch einmal aufgreifen. Allerdings geht es heute um die Situation in Deutschland. Wild Zelten in Deutschland?

Wild Campen – wie sieht die Situation in Deutschland aus?

Darf man in unserem Land wild Zelten – oder ist es, wie in vielen europäischen Ländern, verboten?

Wild Zelten ist in Deutschland generell verboten. Aber wie in Deutschland üblich, ist vieles nicht ganz einfach, denn in unserem Land regeln Landesgesetze was im ­Einzelnen erlaubt ist, bzw. was verboten ist. In den meisten Bundesländern ist es generell nicht ­erlaubt wild zu zelten. Dabei beziehen sich die Regelungen explizit auf das Zelten. Vom Biwakieren wird dabei nicht gesprochen (dazu später mehr).

Allerdings bewegt man sich hier in einer Grauzone, denn daraus abzuleiten, man könne nun überall Biwakieren, stimmt so nicht. Denn sinngemäß (zumindest im Sinne der Juristen) bleibt das Verbot bestehen. In der Praxis kann man davon ausgehen, dass je aufwendiger, sprich häuslicher man sich einrichtet, desto größer ist das Risiko in einen Konflikt zu geraten – also ist weniger in diesem Sinne mehr.

Wer bestimmte Regeln einhält, der hat durchaus auch in Deutschland die Möglichkeit wild zu zelten. Wichtig dabei ist, sich vorher über die Lage in der relevanten Region zu informieren.

So ist wild Zelten in Deutschland möglich

Trotz der verschiedenen gesetzlichen Verbote können in einigen Bundesländern Waldbesitzer bzw. Grundstücksbesitzer das wilde Zelten auf Ihrem Grundstück erlauben. In manchen Gegenden wird die Zustimmung der Forstbehörde, so der Gesetzgeber, verlangt. Die Forstbehörde wird durch Förster (nicht Jäger) vertreten. Auch auf Bauernhöfen ­kann nach einer Anfrage, oft gezeltet ­werden. Aber natürlich sollte man sich auch hier zurückhaltend benehmen und keinen Müll hinterlassen.

Wild Zelten – Deutschland, was man auf keinen Fall tun sollte

In der Natur ist rücksichtsloses Verhalten ein absolutes NO GO. Wie heißt es so schön: „Hinterlasse nichts außer, deine Fußspuren“ (wobei man das durchaus auch oft verhindern kann.). Selbstverständlich darf entstandener Müll nicht zurückgelassen werden. Auch die Spuren der „Toilettenbesuche“ sollten Sie vergraben. Lärm und Krach, dazu gehört auch laute Musik, sollten vermieden werden.

Besonders in den Sommermonaten ist offenes Feuer im Abstand von 100 Metern zum Waldrand streng verboten. Das gilt für fast alle Bundesländer. Zu den offenen Feuern gehören Lagerfeuer, Kerzen, Fackeln aber auch Campingkocher. Wer auf ein Feuer nicht verzichten kann (oder will), sollte nach offiziell ausgewiesenen Feuerstellen sehen. Außerdem sind entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen (Löschwasser etc.).

Gerade bei Feuer sollte man wirklich sehr sensibel sein, zumal die Strafen bei Brandgefährdung (zu Recht) drastisch ausfallen können. Dabei sind neben hohen Ordnungsgeldern, in besonders schlimmen Fällen, sogar Haftstrafen möglich.

Absolut tabu für Wildcamper sind Naturschutzgebiete, Nationalparks und landwirtschaftliche Nutzflächen. Aber auch in Industriegebieten und militärische Sperrzonen ist wildes Zelten nicht möglich. Außerdem möchten auch viele Jäger keine „Störenfriede“ in ihren Revieren. Das gilt besonders für Jagdzeiten und die Aufzuchtzeiten der Jungtiere.

Foto Reiseberichte - Biwakplatz an der Müritz © Undine Aust - Fotolia.com
Biwakplatz an der Müritz © Undine Aust – Fotolia.com

Wild Zelten in Deutschland – die Regelungen in den 16 Bundesländern

Man kann zunächst feststellen, dass in den meisten Bundesländern die Natur im Prinzip frei betretbar ist. Normalerweise wird das in den einzelnen Bundesländern durch die Landes-Waldgesetze geregelt. Darin gibt es auch Regelungen, ob Zelten erlaubt ist, oder nicht. Was in diesen Gesetzen nicht geregelt ist, wird durch das Bundes-Waldgesetz bestimmt.

Wild Zelten in Baden-Württemberg

Das Zelten im Wald ist in Baden Württemberg ohne eine entsprechende Erlaubnis nicht zulässig. Es besteht die Möglichkeit, sich bei der zuständigen Forstbehörde eine Genehmigung zu holen. Die wird es aber wohl nur in Ausnahmefällen geben.

Wild Zelten in Bayern

Die Regeln in Bayern ähneln denen von Baden Württemberg. Allerdings findet sich in den Gesetzen kein ausdrückliches Campingverbot. In Bayern gilt aber das Gebot, „mit Natur und Landschaft pfleglich umzugehen“. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, eine Erlaubnis für wildes Zelten.

Sicherheitshalber sollte man sich an die Forstbehörde wenden. Auch Bauern kann man um Erlaubnis bitten, auf deren Grundstück zu zelten. Da in Bayern viele Flächen unter besonderem Schutz stehen, sollte man besonders sensibel mit dem gewählten Zeltplatz umgehen.

Wild Zelten in Bremen

Als kleinstes Bundesland (419km²) hat Bremen nur sehr wenig unbebaute Flächen. Deshalb gibt es in diesem Bundesland auch kein eigenes Waldgesetz. Zum Zelten finden sich in Bremen keine ausdrücklichen Regelungen. Aufgrund der geringen Freiflächen sind die Möglichkeiten zum Zelten deshalb auch sehr gering.

Wild Zelten in Berlin

Hier gelten ähnliche Regelungen in Baden-Württemberg. Auch hier ist das Zelten im Wald ohne besondere Befugnisse nicht erlaubt.

Wild Zelten in Brandenburg

In Brandenburg gilt, dass Fuß-, Rad-, Reit- und Wasserwanderer abseits von Zelt- und Campingplätzen für eine Nacht ihre Zelte aufstellen dürfen. Allerdings müssen sie vorher die Eigentümer fragen und natürlich nicht in Naturschutzgebieten zelten. Waldbesitzer können in Brandenburg begrenztes Zelten gestatten. Allerdings gilt immer nur für einen Tag.

Wild Zelten in Hamburg

Die Freiflächen in Hamburg sind relativ klein, allerdings darf man dort, wenn die Genehmigung der Waldbesitzer vorliegt, auch Zelten.

Wild Zelten in Hessen

In Hessen finden sich zum Zelten keine ausdrücklichen Vorschriften. Empfehlenswert ist aber den Förster oder Grundstücksbesitzer anzusprechen.

Wild Zelten in Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern bietet nicht motorisierte Wanderer die Möglichkeit in der freien Landschaft, außer in besonders geschützten Gebieten, wie Nationalparks, für eine Nacht das Zelt aufzubauen.

Aber hier gilt, dass die Erlaubnis des Eigentümers vorhanden sein sollte. Außerdem dürfen Zelte auf Grundstücken, die zum engeren Wohnbereich gehören, aufgestellt werden. Das Zelten im Wald ist allerdings unzulässig.

Für Ausnahmegenehmigungen sind die Forstbehörden und die Zustimmung der Waldbesitzer nötig. Absolut tabu ist das Zelten in Küstendünen und Strandwällen.

Wild Zelten in Niedersachsen

Das Zelten in der freien Landschaft in Niedersachsen nur dann gestattet, wenn dies die Wald- oder Grundbesitzer gestatten. Allerdings darf diese Erlaubnis nur in Einzelfällen erteilt werden und ist zudem begrenzt auf wenige Tage.

Wild Zelten in Nordrhein-Westfalen

Zelten im Wald ist in NRW nur mit besonderer Erlaubnis gestattet. Sinnervollerweise wendet man sich deshalb vorher an den zuständigen Förster bzw. Forstamt.

Wild Zelten in Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz ist das Zelten im Wald ist nur mit der Zustimmung des Waldbesitzers möglich.

Wild Zelten im Saarland

Im kleinsten Flächenland ist das Zelten, laut Waldgesetz, mit Zustimmung des Besitzers möglich.

Wild Zelten im Freistaat Sachsen

Das Zelten in Sachen erfordert laut Waldgesetz lediglich die Erlaubnis des Forstbesitzers. Dabei dürfen die Funktionen des Waldes, was immer das auch heißen mag, nicht beeinträchtigt werden.

Wild Zelten in Sachsen-Anhalt

Das Zelten ist in Sachsen-Anhalt gestattet, sofern der Nutzungsberechtigte, in der Regel der Eigentümer oder Pächter, seine Zustimmung erteilt hat.

Wild Zelten in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein ist die Natur prinzipiell frei zugänglich. Nicht motorisierte Wanderer dürfen außer in Nationalparken und Naturschutzgebieten abseits von Zelt- und Campingplätzen für eine Nacht zelten. Auch hier wird die Erlaubnis des Besitzers vorausgesetzt (privatrechtliche Befugnis).

Zelten im Wald ist zunächst zwar grundsätzlich verboten, mit Zustimmung des Waldbesitzers aber möglich, solange die Waldfunktionen nicht beeinträchtigt werden. In diesem Bundesland ist es ausdrücklich verboten, am Meeresstrand zu zelten. Küstendünen und Strandwälle unterliegen ebenfalls einem besonderen Schutz.

Wild Zelten in Thüringen

Das Zelten im Wald ist in Thüringen grundsätzlich verboten. Mit Zustimmung des Waldbesitzers ist es aber trotzdem möglich. Voraussetzung ist, dass Rücksicht auf die Waldfunktionen, sowie die Belange des Naturschutzes und sonstiger Rechtsgüter genommen wird.

Zusätzliche Infos:

Die Grauzone Lagern bzw. Biwakieren

Lagern bedeutet rasten oder “Pause machen”. Das ist selbstverständlich in Deutschland erlaubt. Somit ist der Übergang zwischen Zelten und Lagern fließend. Es ist also nicht immer ganz einfach den Unterschied zwischen Lagern, Biwakieren oder Campieren festzustellen.

Lagern kann man beispielsweise mit einem Biwaksack, einem Schirm als Zeltersatz, einem Tarp, Poncho oder auch nur mit Schlafsack und Isomatte. Biwakieren ist laut Definition das »Kampieren außerhalb von Campingplätzen während eines kurzen, durch den Anlass gebotenen Zeitraumes im hochalpinen Gelände«.

Normalerweise ist das Biwakieren vom Verbot des Campierens bzw. Zelten, ausgenommen. Allerdings handelt sich dabei um eine rechtliche Grauzone.

Wird man also angesprochen, sollte man sich glaubwürdig verhalten. Zum Beispiel darauf hinweisen, dass man nur Vögel beobachtet oder den Sonnenuntergang genießt. Man sollte allerdings auf keinen Fall über mehrere Tage am selben Ort lagern. Natürlich darf auch kein Müll zurückgelassen werden, oder andere Schäden (Lagerfeuer) verursacht werden.

Vorsicht – offenes Feuer ist im Wald nicht erlaubt

Ein offenes Feuer ist ein Lagerfeuer oder Grillfeuer. Solche Feuer sind im Abstand von 100 Metern zum Waldrand verboten. Dies gilt übrigens auch für offenes Licht wie beispielsweise Kerzen, Fackeln und Laternen. Übrigens, auch Campingkocher gelten als “offenes Feuer”.
Auch das Rauchen von Zigaretten kann verboten sein. In keinem Fall dürfen glühende Kippen weggeworfen werden.

Was passiert, wenn man erwischt wird?

Meist sind es Förster, Polizei oder Privatgrundeigentümer, die einen erwischen. Aber auch Mitbürger, die sich um den Schutz der Natur bemühen und sehr sensibel reagieren. Wenn Sie sich an die Regeln des gesunden Menschenverstandes halten und sich an den im Text erwähnten Verhaltensmaßnahmen orientieren, passiert im Regelfall nichts Schlimmes.

Oft wird man, meist höflich, gebeten kein Müll zu hinterlassen und sich der Umgebung entsprechend zu benehmen. Möglicherweise wird man verwarnt (mit Aufnahme der Personalien) und aufgefordert weiterzuziehen.

Übrigens: Normale Jäger sind nicht weisungsbefugt. Sie können lediglich die Polizei informieren. Die wiedrum dazu befugt ist. Auch Forstbeamten üben in Wäldern Hoheitsrechte aus und sind befugt Ausweise zu kontrollieren oder, in Extremsituationen, auch Leute vorübergehend festzunehmen.
Wenn alles schlecht läuft, wird man wohl um ein Bußgeld nicht herumkommen. Das wird dann pro Person verhängt. Solche Bußgelder werden aber meist nur nach negativem Verhalten verhängt. Stichworte dazu sind: Müll, Feuer, Naturschutzgebiete, unangebrachtes Verhalten.

Die Verwarngelder reichen von etwa 5€ – 80€. ­In Einzelfällen reichen die Bußgelder aber weit nach oben: Bis zu 500€ (pro Person) sind möglich. Dies wird aber nur eine seltene Ausnahme sein, denn dazu müssen Sie sich schon „etwas geleistet“ haben. Beispiele hierfür sind wilde, ausgelassene Partys mit lauter Musik, Lagerfeuer im Naturschutzgebiet etc..

Fazit zum wilden Campen in Deutschland:

Wildes Zelten ist in Deutschland generell nicht erlaubt, aber wenn Sie sich an die im Text angesprochenen Hinweise halten, durchaus möglich.

Der Artikel basiert auf folgenden Informationen:

http://www.trax.de/wild-campen-was-ist-verboten-was-erlaubt-/id_51835528/index

http://wild-campen.de/rechtslage-in-deutschland/

http://www.nature-x.com/nc/natur-camping/wildcampen.html

 

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Über Volker Abels

2010 habe ich foto-reiseberichte.com ins Leben gerufen. Reisen und Fotografieren sind meine großen Interessen. Außerdem mag ich (abgesehen von meiner Frau) Fußball (BVB :-)) an Webseiten basteln, im Internet surfen sowie ab und zu selber Sport treiben. Wenn ich Zeit übrig habe (was leider zu selten der Fall ist) lese ich auch gerne mal ein Buch.

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2 Kommentare

  1. Schöner, informativer Artikel. Flüssig geschrieben und gut recherchiert.

    Gruß aus Hagen
    Jens

  2. Finde die Info gut und hilft mir ein wenig, ich will mein Zelt in der Pampa aufschlagen um Tieraufnahmen zu machen . . .

    Gruß Uwe

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