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Wild Zelten in Europa – das Gefühl von Freiheit und Abenteuer

Wild Zelten bringt neben dem Gefühl von Freiheit, Abenteuer und Unabhängigkeit auch einen monetären Vorteil. Man spart sich schlicht die Übernachtungskosten.

foto-reiseberichte.com - Camping in der Wildniss © Alina Isakovich - Fotolia.com
Camping in der Wildniss © Alina Isakovich - Fotolia.com

In diesem Artikel erfahren Sie, in welchen Ländern die Freiheit noch unbegrenzt ist und wo sie noch wild Zelten können oder in welchen Ländern  Sie lieber einen Campingplatz aufsuchen sollten.

Wildes Zelten ist im Europa des 21. Jahrhunderts nicht mehr so einfach wie in früheren Zeiten. In vielen Ländern Europas ist wild Zelten inzwischen verboten oder stark eingeschränkt. Relative Freiheiten genießt man aber noch in einigen nordeuropäischen Ländern. Wie das in der Praxis aussieht, erfahren Sie in den folgenden Ausführungen.

Wild Zelten in Skandinavien

In den meisten skandinavischen Ländern ist Zelten in der freien Natur immer noch erlaubt.

So gilt beispielsweise in Schweden das Jedermannsrecht. Dieses Recht erlaubt jedem Menschen überall zu wandern, mit dem Rad zu fahren, Ski zu fahren, zu reiten und außerdem zu zelten. Allerdings gibt es ein paar Ausnahmen. In Privatgärten, in der Nähe von Wohnhäusern und auf bestellten Äckern ist Zelten nicht erlaubt.

Auch in Norwegen gibt es das Jedermannsrecht. Es ermöglicht auch hier allen Menschen sich in der Natur aufzuhalten. Außerdem darf man sich an den Früchten der Natur (Beeren, Pilze etc.) bedienen. Natürlich versteht es sich von selbst, dass das nur unter der entsprechenden Rücksichtnahme auf die Flora und Fauna erlaubt ist. Wenn Sie wild Zelten möchten, müssen Sie einen Abstand von etwa 150 Metern zu Häusern und Hütten einhalten. Evtl. müssen Sie auch die Erlaubnis von den Grundstücksbesitzern einholen. In bestimmten Gebieten Norwegens ist während der Jagdsaison aus Sicherheitsgründen wild Zelten nicht erlaubt.

Auch in Finnland gibt es das Jedermannsrecht. Dabei ist auch in diesem Land ein vorübergehender Aufenthalt in der Natur, zu dem auch wild Zelten gehört, gestattet. Das gilt für alle Gebiete, in denen das Betreten erlaubt ist. Allerdings dürfen den Besitzern der Grundstücke dadurch keine Nachteile und Schäden entstehen.

In Dänemark sieht die Situation etwas anders aus. Generell ist Zelten außerhalb von Campingplätzen nicht erlaubt. Das gilt ganz besonders für die Dünenlandschaften an den dänischen Küsten. Allerdings gibt es in Dänemark seit 2011 ein paar Ausnahmen. In einigen Waldgebieten ist wild Zelten erlaubt. Diese Erlaubnis gilt allerdings nur für eine Nacht und nicht mehr als 2 Zelte pro Lagerplatz. Zudem dürfen die Zelte nicht von Straßen, Campingplätzen und von Gebieten mit Wohnbebauung gesehen werden.

In Island ist wildes Campen nicht verboten, allerdings wird es dort gerne gesehen wenn die vorhanden Campingplätze genutzt werden.

Wild Zelten in Baltikum

Im Baltikum wird wild Campen toleriert. Für Wildcamper dürften die Länder Estland, Lettland und Litauen so eine Art Geheimtipp darstellen, denn außerhalb von Nationalparks und Naturschutzgebieten wird dort wild Zelten in der Regel toleriert.

Wild Zelten in Mitteleuropa, Westeuropa und Nordwesteuropa

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Generell verboten ist wild Zelten in Frankreich. Dabei gilt das Verbot des wild Zeltens besonders in geschützen Wäldern und Parks, sowie an öffentlichen Wegen und Straßen.  Dieses strenge Verbot gilt auch im Umkreis von 500 Metern von historischen Denkmälern oder 200 Metern um eine Trinkwasserquelle, sowie im besonderen Maße für Meeresufer. Gerade solche Gebiete werden auch stärker kontrolliert. Die Strafen bei Nichtbeachtung sind in Frankreich ziemlich drastisch. Sie können bis zu 1500 EUR betragen.

In der Praxis wird das Verbot des wild Zeltens besonders in den Tourismuszentren rigoros durchgesetzt und die Verstöße verfolgt. In den ländlichen Regionen wird  wild Zelten und wild Lagern meist toleriert. Auf Privatgrundstücken darf mit Zustimmung der Besitzer übernachtet werden. Besonders in den etwas abseits gelegenen Gebieten und im Hinterland sind die Menschen zudem sehr gastfreundlich und hilfsbereit.

In Großbritanien sieht die Situation etwas unterschiedlich aus. So ist Schottland dem wilden Campen gegenüber recht aufgeschlossen. Wildes Zelten ist dort sogar ausdrücklich erlaubt. Natürlich müssen bestimmte Regeln beachtet werden, wie beispielsweise den eigenen Müll nicht in der Umwelt zu deponieren oder kein Feuer im Wald oder Waldrand zu entfachen. Außerdem sollte die Nähe von Wohnhäusern gemieden werden. Im Zweifelsfall sollte man auch hier den Landbesitzer um Erlaubnis fragen.

In England und Wales ist wildes Campen offiziell verboten. Wenn private Grundstücksbesitzer ihre Erlaubnis geben, wird wildes Zelten allerdings häufig geduldet. In einigen Nationalparks, wie beispielsweise Dartmoor, ist  Campen in einigen Bereichen erlaubt. Das gilt allerdings nur für eine Nacht. Auch hier gilt, dass der Platz sauber verlassen werden muss. In welchen Nationalparks das wilde Zelten erlaubt ist, können Sie von den jeweiligen Parkbehörden erfahren.

In Irland ist Zelten auf Privatgrundstücken normalerweise kein Problem, sofern Sie die  Erlaubnis des Besitzers haben. Die Iren sind sehr gastfreundlich. Das gilt normalerweise auch gegenüber Wildcampern. Abgesehen von oben angeführten Fällen, ist wild Zelten in Irland allerdings generell verboten. Es ist oft auch sowieso nicht möglich, da viele Flächen landwirtschaftlich genutzt werden. In Landschafts- oder Naturschutzgebieten weisen  Hinweisschilder zusätzlich auf das Verbot hin.

In der Schweiz sind die Regelungen etwas kompliziert. Generell ist dort wild Zelten in Naturschutz- und Banngebieten verboten. Ansonsten können die Gemeinden und Kantone eigene Regeln erstellen. Von daher ist es ratsam, sich rechtzeitig über die rechtliche Situation des Reiseortes zu informieren.  Nach Aussagen des Schweizer Alpen-Clubs, sollte vorsichtiges und rücksichtsvolles Zelten oder Biwakieren im Gebirge, oberhalb der Waldgrenze, in der Regel unproblematisch sein. Das gilt allerdings nur für kleine Gruppen. Bedenken Sie dabei aber, dass Tier- und Pflanzenwelt in den Alpen sehr empfindlich sind.

Komplett verboten ist wildes Campen in folgenden Ländern.
Belgien
(Bußgeld bis 200 EUR), Luxemburg, Niederlande (Bußgeld bis 120 EUR).

Österreich gehört zu den Ländern, in denen wildes Zelten generell verboten ist. Ausgenommen von diesem Verbot ist das Zelten auf Privatgrundstücken, wenn Sie die Erlaubnis vom Grundstücksbesitzers haben. Die Strafen für wildes Zelten, sind in den einzelnen  Bundesländern unterschiedlich hoch. Sie sind jedoch überall mehr oder weniger drastisch. Speziell in Tirol wird gegen wildes Zelten hart durchgegriffen. Besonders hoch sind die Bußgelder in Nationalparks sowie Natur- und Landschaftsschutzgebieten. Eine Ausnahme in alpinem Gelände, ist das Einrichten von Biwaks in Notsituationen.

Wild Zelten in Südeuropa und Südwesteuropa

In Griechenland ist Zelten in freier Natur generell verboten. Es kann mit hohen Strafen belegt werden. Die Praxis widerspricht dem allerdings, da wildes Zelten vielerorts toleriert wird. Auf manchen Inseln wird wild Zelten sogar relativ gern gesehen. Da die Handlungsweisen von Ort zu Ort unterschiedlich sind, sollte man sich unbedingt vorher erkundigen wie das Zelten in der entsprechenden Gegend gehandhabt wird. Gegebenenfalls sollten Sie auf einen legalen Campingplatz ausweichen.

In Italien (Bußgeld bis 500 EUR) ist es generell verboten wild zu zelten. Besonders in den Tourismusregionen drohen sehr hohe Strafen. Ähnlich wie in Frankreich, drückt man im ländlichen Bereich Italiens dagegen schon mal ein Auge zu. Allerdings ist man Campern, die wild Zelten möchten, etwas skeptisch gegenüber eingestellt. Wenn Sie vorhaben dort wild zu campieren, sollten Sie besser vorher Kontakt zu den Menschen vort Ort suchen.

Auf Privatgrundstücken dürfen Sie mit Zustimmung der Besitzer Zelten, was durchaus zu netten Kontakten mit der Bevölkerung führen kann.

Auch in Spanien ist wildes Zelten generell verboten. Besonders in den Tourismuszentren sind die Strafen dafür sehr hoch. In Spanien ist die Situation im Hinterland etwas entspannter, wobei allerdings auch hier wildes Campen nicht besonders gerne gesehen wird. Auf Privatgrundstücken ist auch in Spanien, das Übernachten mit Erlaubnis der Besitzer erlaubt.

In Portugal ist Zelten nur auf Campingplätzen erlaubt.

Wild Zelten in Osteuropa und Südosteuropa

In Polen ist wild Zelten offiziell nicht erlaubt. In den Nationalparks ist es sogar streng verboten. Es wird allerdings dort geduldet, wo Sie sich von den Grundstücksbesitzern die Erlaubnis geholt haben. Achten Sie auch darauf, dass im Wald  wildes Zelten außerhalb von ausgewiesen Plätzen verboten ist. Es können Geldbußen von 120 Euro verhängt werden.

In den Ländern Bulgarien, Kroatien, Mazedonien, Rumänien, Russland, Serbien, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn, ist es nicht erlaubt, auf Parkplätzen und Raststätten zu übernachten. Es ist ebenso verboten auf  Privatgrundstücken zu zelten. In diesen Ländern ist das Zelten nur auf Campingplätzen erlaubt.

Quellen und Infos:
Artikel ReiseJournal 16.Mai 2012 von Karsten Thilo Raab
www.trax.de/Wild Campen – Was ist verboten – was ist erlaubt?
www.tagesspiegel.de/wildes campen…


 

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Über Volker Abels

2010 habe ich foto-reiseberichte.com ins Leben gerufen.Reisen und Fotografieren sind meine großen Interessen. Außerdem mag ich (abgesehen von meiner Frau) Fußball (BVB :-)) an Webseiten basteln, im Internet surfen sowie ab und zu selber Sport treiben. Wenn ich Zeit übrig habe (was leider zu selten der Fall ist) lese ich auch gerne mal ein Buch.

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3 Kommentare

  1. Sehr schöne Übersicht, wobei ich nicht verstehen kann, warum man wildes Zelten überhaupt verbietet, solange man von Naturschutzgebieten und Privatgrundstücken abstand hält und den Platz genauso verlässt, wie man ihn vorgefunden hat.
    Besonders absurd ist auch, das auf Privatgrundstücken das Zelten verboten ist.

  2. Wahrscheinlich gibt es viele „Naturfreunde“ die ihren Müll zurück lassen und sich und andere durch Feuer etc. gefährden.
    Manche Gesetze kann man auch nicht verstehen – vielleicht soll die Wirtschaft unterstützt werden oder wir sollen alle schön kontrolliert werden.
    LG

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